Zufallsbild

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16
Okt
2010

unsternbedroht

ich will hier bleiben hinter dem wald
wenn die stare aus meinen augen schwärmen
ihre flügel sind mir uhrenzeiger und kompass zugleich

noch steht der raps im licht noch rinnt sein gelb in den tag

aber schuppen und scheunen bekommen mäuler in den nächten


mein herbstfluss ist eine verschleierte frau, die ihre hüften hell wiegt
wenn sie tanzt, trägt sie die sonne davon stück für stück

mein herbstfluss ist ein bärtiger mann, der abends heult wie ein wolf

meinen herbstfluss heißt shakespeare und schmeckt nach lakritze

9
Okt
2010

Vielleicht war ich in einem früheren Leben...

... ein Eichhörnchen.
Spätestens im Spätsommer befällt mich der Zwang, Vorräte anzulegen.

Für dieses Jahr bin ich fast fertig damit. Have done it. Einzig und allein das Quittengelee fehlt noch.
Keller und Vorratskammern sind gut gefüllt mit Konfitüren verschiedenster Art, sauren Pilzen (Premiere!), Holunderblütenschnaps und Rumtopf. Zum ersten Mal habe ich die Familie zum Hagebuttenpflücken verdonnert, um Konfitüre kochen zu können. Schon das Pflücken ist ziemlich barbarisch und die Zubereiterei eine Heidenarbeit, aber ich denke, das Ergebnis zeigt, dass die Mühen sich lohnen.

Momentan genießen wir Herbstferien. Ich bin echt froh über den Entschluss, einfach mal zu Hause zu bleiben. Es ist so viel liegengeblieben, was erledigt werden muss.

Außerdem ist ein bisschen Zeit für Bücher und Musik.

Vergangenen Dienstag gastierte Sophie Zelmani im Beatpol. Ein wunderbar stilles Konzert. Herbstmusik.

Ich habe die zwei Bücher von Alina Bronsky ("Scherbenpark" - "Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche")verschlungen. Großes Kino, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich Filmproduzent wäre, würde ich mir die Rechte an der tartarischen Küche sichern. Ich könnte mir diese durch und durch verrückte Geschichte sehr gut verfilmt vorstellen.

Diese Wochenende haben mich seltsame Zufälle hierher verschlagen:

http://www.kreuztanne.de/

Ein tolles Hotel, absolut malerisch gelegen.
Wir lassen uns ein bisschen verwöhnen, essen gut und sind den ganzen Tag an der frischen Luft. Der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Hänge des Erzgebirges liegen im goldenen Sonnenlicht. Wenn man nicht wüsste, dass der Winter folgt, könnte dieser Anblick einem echt das Herz wärmen.

2
Okt
2010

Alles Weitere

Dass dieser Sommer, von dem sie im Nachhinein als dem „bulgarischen“ redeten, ihren jungen Leben eine völlig neue Wendung geben würde, ahnte keiner von ihnen.

Sie waren Anfang zwanzig und sonnten sich am Strand von Varna. Abends tranken sie sauren Rotwein.
Später würden sie nach Trnovo aufbrechen, dort mit bärtigen Studenten Bekanntschaft schließen und die Sonne hinterm Zarewetz versinken sehen.
In Sofia standen sie staunend vor der goldkuppeligen Kathedrale und kauften Schafskäse für daheim.

Die DDR war unglaublich weit weg. Die thüringische Kleinstadt fern.

Doch schließlich gingen die unbeschwerten Sommertage ihrem Ende zu.
Der Semesterbeginn stand unmittelbar bevor und sie alle wollten an die Uni zurückkehren.

Der Sofioter Flughafen markiert gleichsam das Ende des Balkanaufenthaltes und das fast zögerlich zu nennende Wiedereintauchen in die ostdeutsche Zeitrechnung.

Auf dem Flug wird kaum gesprochen. Jeder hängt seinen Gedanken nach.
Die kleine Reisegruppe landet planmäßig in Berlin-Schönefeld.

Sie will sich noch vom Flughafen aus telefonisch bei der Familie zurückmelden. Der Vater hebt ab. Ungewöhnlich, denkt sie. Normalerweise ist die Mutter die Wächterin über den Telefonapparat.

„Gut, dass du gesund gelandet bist“, sagt der Vater mit ernstem Unterton.
„Alles Weitere erzählen wir dir zu Hause.“

Alles Weitere? Ein ungutes Gefühl beschleicht sie, das so gar nicht zur abklingenden Ferieneuphorie passen will.

Gesund gelandet?

Im Zug nach Dresden sitzt sie allein in einem Abteil. Sie ist müde von der Reise, erschöpft, aber ihre Gedanken kreisen beständig um die Worte des Vaters.

Der Zug fährt im Hauptbahnhof ein. Sie steigt aus und erschrickt. Überall sind Uniformierte postiert. Steine liegen umher. Zerschlagenes Fensterglas.

Dass in den vergangenen Wochen noch viel mehr zu Bruch gegangen ist, wird man ihr Stunden später erzählen. Und alles Weitere.

29
Sep
2010

23
Sep
2010

lesung

gute reise

19
Sep
2010

Schreibwerkstatt

das vergangene wochenende verbrachte ich in einer schreibwerkstatt. mitten im wald. ein recht namhafter lyriker und eine germanistin leiteten das ganze.

ich lernte interessante leute kennen und wir hatten gute gespräche, arbeiteten an "alten" texten und mussten eine aufgabe bewältigen. mir fällt das schwer, so auf kommando texte verfassen, aber es hat geklappt.

insgesamt ein schönes wochenende, so ganz ohne die lästigen haushaltsverpflichtungen. ein wochenende nur für mich.

14
Sep
2010

The past...

...is a foreign country: they do things differently there.

L.P.Hartley: The Go-Between

9
Sep
2010

Bunnies

Königstochters Jüngster beschwert sich beim Abendbrot lautstark über ein selten dämliches Lied, das er für die nächste Musikstunde lernen muss: "My bunny is over the ocean..."

Der Herzallerliebste ringt einen drohenden Lachanfall damit nieder, dass er hasenähnlich vor sich hin mümmelt und Hoppelbewegungen andeutet.
Das Mittelkind, bereits im geistigen Besitz des Liedgutes, verdreht theatralisch die Augen.
Die Große, dank eines ENGLISCHVORTRAGES (humanistisches Gymnasium!) über die verlegerische Tätigkeit von Hugh Heffner im Bilde, merkt mit spöttischem Unterton an, das sei KEIN PLAYBOY-SONG.

Und ich? Ich erläutere den Unterschied zwischen bonnies und bunnies und wundere mich. Unsere Welt ist schon eine seltsame.
Manchmal ist es gar nicht so einfach, sie zu verstehen.

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