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10
Aug
2010

Mein Leben in der Zeitkapsel 1

Das Schuljahr beginnt in der Zeitkapsel mit einem Fahnenappell.

Der Zeitkapselparkplatz befindet sich auf dem Gelände der LPG.

Die weiblichen Bewohner der Zeitkapsel sind drall und tragen hautenge Polyesterhosen.

(to be continued)

29
Jul
2010

27
Jul
2010

summertime

der diesjährige sommer begann mit großem ärger, mit stress und tränen. ich hatte mühe, die probleme in den zurückliegenden wochen abzuschütteln. so richtig gelungen ist es mir nie. zumindest in meine träume haben sie sich geschlichen.

anyways. wir hatten fünf schöne tage im spreewald, auch wenn es zum fahrradfahren eigentlich viel zu heiß war. wir besuchten, wie gehabt, lübben, lübbenau, raddusch und statteten auch dem fürsten einen besuch ab.
die jugendherbergsleute waren arg verwundert, dass madame nisavi diesmal in männlicher begleitung auftauchte. ich glaube, sie hatten mich schon als die ewig alleinreisende mit den drei unehelichen kindern abgetan.

aus den drei kindern wurden in der dritten ferienwoche vier und als großfamilie erkundeten wir münchen. dies war mein wunsch für die ferien gewesen, weil die stadt mich im vergangenen jahr so beeindruckt hatte.

die großen und kleinen jungs mussten hauptsächlich die allianz-arena sehen. architektonisch sicherlich klasse, aber wenn ich während der führung (neunundzwanzig euro eintritt übrigens!) erklärt kriege, wieviele tausend euro jede einzelne beschissene doofe loge kostet im jahr und wieviel die spieler verdienen und, dass sie jeder einen audi geschenkt bekommen, der nach dem spiel ans stadion gebracht wird, dann krieg ich leider das brechen.
die großen und kleinen jungs können mir dann tausendmal erklären, dass das halt so ist im fußball - ich finds schlimm.
wenn ich etwas zu sagen hätte, dann würde ich zum beispiel viel eher einer altenpflegerin, die ihr leben lang alte leute füttert und windelt, einen audi schenken.
und, bei der gelegenheit, ich finde es auch maßlos übertrieben, einem bundestrainer nach einer weltmeisterschaft ein bundesverdienstkreuz verleihen zu wollen. ich mag den herrn löw ja, schon wegen der hemden, aber das bundesverdienstkreuz finde ich übertrieben. da käme nach meinem dafürhalten auch wieder die altenpflegerin infrage. zum beispiel. oder ein chirurg. ein feuerwehrmann. was weiß ich.

münchen. wir waren auch im deutschen museum, in der uni, wo ich den kindern den berühmten lichthof zeigte, im jüdischen zentrum, in nymphenburg und jeden nachmittag sind wir, weil es brütend heiß war, in den englischen garten gezottelt, mit einer wassermelone im gepäck, und haben dort mehrere stunden im schatten gelegen. die kinder konnten in der isar planschen.
abends war jeweils biergarten angesagt, sehr kostenintensiv zu sechst, aber ich mag die atmosphäre. das surren, wenn man reinkommt. die vielen menschen. und meine weinschorle. zum biertrinken konnte ich mich nicht hinreißen lassen.

schließlich ging es weiter in die berge, bereits bekanntes terrain, aber eine neue, größere ferienwohnung - zusammen mit freunden.
auch eine gute, unbeschwerte zeit. wandern vor allem, baden, reden, lesen.

ich glaube, acht bücher habe ich geschafft. am meisten beeindruckt hat mich david benioff mit "die stadt der diebe" - ein buch, das mich an den drachenläufer erinnerte, vielleicht, weil es ebenfalls die geschichte einer freundschaft erzählt. (allerdings vor dem hintergrund der belagerung leningrads. ziemlich starker tobak manachmal, aber mit einer geradezu kindlich zu nennenden leichtigkeit erzählt.)
von tess gerritsen habe ich "the killing place" im original gelesen - sehr, sehr spannend.

ja, und nun sind die ferien schon wieder fast vorbei.

am sonntag waren wir in der semperoper und haben "evita" gesehen. ein unvergesslich schöner abend. die aufführung kann ich nur mit dem attribut PERFEKT versehen. großartige stimmen, ein klasse bühnenbild, herrliche musik. in der pause konnten wir vom großen balkon aus über die stadt sehen.

der soundtrack zum abend:





21
Jun
2010

SERAPHINE

20
Jun
2010

Ich habe fertig

Ich habe drei Portionen Prüfungen korrigiert. Zeugnisse geschrieben und Beurteilungen verfasst. Jahresnoten errechnet.
Abschlussparties bewacht. Abschiede mit Kuchen versüßt. Der Abiturzeugnisübergabe beigewohnt.

Ich habe die eigene Brut ausgestattet für die anstehenden Klassenfahrten. Mit Regenjacken und Süßigkeiten. Und Taschengeld.

Ich habe Bananenbrot gebacken. Holunderblütenschnaps gebraut. Und im Garten rumgemurkst.

Ich habe mir für Frida Kahlo eine Karte bestellt.

Und ich freue mich auf Berlin. Auf den Spreewald. München. Die Alpen. Den Sommer.

Alles wird gut.

15
Jun
2010

badly hurt

für eine lesung suchte ich heute einen meiner texte. er war wie vom erdboden verschluckt.

meine dateien waren nach dem festplattencrash völlig hinüber.
glücklicherweise konnte ich einzelne fragmente wiederfinden und zusammenfügen.

völlig unerwartet stieß ich dabei auf ein icq-protokoll, das ich seinerzeit kopiert hatte.

wenn ich mich recht erinnere, hatte ich einer mir damals sehr nahestehenden person einen hinweis auf ein buch gegeben. das buch schilderte einen fall von sterbehilfe und hatte mich sehr berührt. der fall war allerdings auch ziemlich in die kritik geraten.

meinen freund muss das beschriebene schicksal im mark getroffen haben. er öffnete sich wie eine auster und ließ seinen schmerz in sätzen gerinnen. sätze, die im sekundenabstand auf meinem monitor erschienen. alle begannen mit den worten "ich weine, weil..."

als ich damals bestürzt versuchte zu trösten, verschloss die auster sich wieder.

ich hatte den vorfall komplett verdrängt. bis heute.

der text, der übrig geblieben ist, irgendwie, hat mich daran erinnert, wie wertvoll es ist, dass ein mensch sich "zeigen" kann.
auch daran, dass wir einander so nahe sein können - in momenten.

ich nehme stark an, dass auch die betreffende person das alles längst vergessen hat. wir haben später nie mehr davon gesprochen.

dennoch berührten mich die sätze heute noch einmal tief. ich betrachte sie als einen kleinen schatz.

12
Jun
2010

Beschwörung

Geh dahin, wo junge Tiere sich bergen.
In die Wärme eines dunklen Baus.
Schutz findest du dort im Federgras.

Sollst nicht aufschrecken.
Nicht davonlaufen.
Und nicht sterben.

Sehne die Zeit der Holunderstille herbei:
Himmel wachsen aus Abendbäumen.
Erinnere dich an Nachtmünder und helle Kinder.

Sollst nicht weinen.
Nicht schreien.
Und nicht verstummen.

Leg meine Hand in deine Seite.
Lass uns flüstern von Neugeborenen mit blonden Haaren.

Sollst dabei lächeln.
Ruhig werden.
Schlafen.

14
Mai
2010

Un

Sie hatten sich ein Zimmer genommen.

Das Hotel lag ganz am Rande des kleinen märkischen Dorfes.

Wenn man ein Fenster öffnete, sah man hinaus auf endlose Wiesenmeere. Schaumkraut blühte blasslila in Wellentälern und als es dämmerte, stiegen Milchschwaden auf.

Sie liebten sich diesmal ungewöhnlich sanft, so als ob sie den Einen glauben machen wollten, sie wären Teil der Idylle.

Der Mann schlief danach. Seine Arme lagen schwer auf der Frau an seiner Seite. Manchmal öffnete er die Augen im Traum und sie sah Schleier hinter seinen Lidern.

Vorsichtig löste sie sich aus seiner Umarmung. Sie stand auf und ging ans Fenster.

Glubschäugig schwammen Fische in den Wiesen. Es war mühsam, ihre Bahnen mit den Augen zu verfolgen. Sie musste auf das Schimmern achten. Darauf, wie sich die Wiesenfarbe mit der der Schuppen vermischte. Aber manchmal verlor sie die Spur.

Im Inneren des Zimmers bewegte sich der Mann. Seine Arme lagen wie Tentakel auf dem Laken.

Sehr selten wagte ein Fisch den Sprung in den Nachthimmel.
Dann war es leicht, den Blick zu heben.

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