Zufallsbild

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14
Mrz
2008

Skolopender /bearbeitet

Dort, wo sich einst Sonnen, Monde und Sterne gespiegelt hatten, erstreckte sich jetzt endlose Ödnis. Gluthitze war und jeder Tag still.

Wie ein Schnitt klaffte das wasserlose Tal auf der Landschaft. Eine Wunde, die nie vernarben, immerfort schmerzen würde.

Teppiche aus verdorrten Pflanzen säumten die Ufer. Innerhalb kurzer Zeit waren sie zerfallen und hatten die Farbe von Kies angenommen. Nach und nach wurden sie eins mit dem steinigen Untergrund.
Dort, wo der See tiefer gewesen war, faulte stinkender Algenmorast. Fischbäuche blähten sich weißgelb darin.

Die Menschen hatten sich an die Ränder der Senke zurückgezogen und vermieden es, sich bei Tageslicht zu bewegen. Nachts rückten sie zusammen und besuchten sich gegenseitig in ihren Träumen. Das war einfach, viel einfacher als es vorher gewesen war, denn Männer und Frauen, Kinder und Greise, hatten denselben Traum. Sie alle schliefen neben einer Erinnerung.

Dann kam das Ungeziefer. Es kroch in Scharen ans Ufer. Dunkles Gewürm, das, vom Licht geblendet, hin- und herfühlerte. Orientierungslos anfangs. Aber dem Instinkt folgend.
Zunächst meinten die Menschen, sich der Plage entledigen zu können, so wie sie sich vieler Plagen entledigt hatten in ihrer Vergangenheit. Die Männer versuchten, die Tiere mit Steinen oder Knüppeln zu erschlagen. Sie gaben schnell auf. Der aus den Chitinpanzern quellende grünliche Schleim verätzte ihnen Hände und Füße.
Immer mehr Tausendfüßler schlängelten sich aus den Gelegen im fauligen Schlamm.

Die Menschen wichen erschrocken zurück. Mütter versuchten, ihre Kinder zu beruhigen. Als schließlich kein Platz an den Ufern mehr sicher zu sein schien, versuchten alle, die Felsen zu erklimmen. Nur die Kräftigsten unter ihnen waren überhaupt in der Lage, an den lehmigen Wänden ein Stück emporzuklettern. Die Alten und Kranken gaben zuerst auf. Sie ließen sich einfach fallen. Viele Frauen waren zu erschöpft und schwach, um die Anstrengung zu bewältigen. Lautlos stürzten sie in die schwarze Tiefe. Die meisten nahmen Kinder mit in den Tod.

Nur einige, wenige Männer waren übriggeblieben, die bluteten und keuchten. Sie zitterten und schrieen nach ihren Müttern. Manche von ihnen verfluchten Gott.

Endlich aber hatten sie es geschafft. Sie ergriffen loses Wurzelwerk und krochen aus dem Abgrund. Wer aber beschreibt das Erstaunen, welches sie ergriff, als es dort, über dem Krater, der einst ein See gewesen war, zu schneien begann? Große Flocken, filigrane Blütenblätter, fielen vom Himmel. Die Männer hielten die Augen geschlossen, sie schwiegen und krochen über die Erde, nach links und rechts, orientierungslos, getrieben von einer unsichtbaren Kraft. Manchmal hielten sie inne, für wenige Minuten. Sie schliefen ein oder verloren die Besinnung. Doch wenn sie wieder erwachten oder zu sich kamen, schleppten sie sich weiter. Der Schnee fiel dichter, hier und da hätte man eine Spur vermuten können. Schon bald aber verlor sie sich.

6
Mrz
2008

Skolopender

Dort, wo sich einst Sonnen, Monde und Sterne gespiegelt hatten, erstreckte sich jetzt schier endlose Ödnis. Gluthitze flirrte und es war jeden Tag still.
Unerträglicher Gestank lag in der Luft: der Geruch von Verwesung und Tod.
Wie eine Verletzung klaffte das wasserlose Tal auf der Landschaft. Eine Wunde, die nie mehr heilen würde.
Die Ufer säumten Teppiche aus verdorrten Pflanzen. Innerhalb von wenigen Tagen waren sie zerfallen und hatten die Farbe von Kies angenommen. Nach und nach wurden sie eins mit dem steinigen Untergrund schien es. Sie verschwanden.
Dort, wo der See tiefer gewesen war, faulte ein stinkender Morast aus Algen und Tierleibern. Fischbäuche blähten sich weißgelb wie Eitergeschwüre.
Die Menschen hatten sich ganz an die Ränder der Senke zurückgezogen und vermieden es, sich bei Tageslicht zu bewegen. Nachts rückten sie zusammen und besuchten sich gegenseitig in ihren Träumen. Das war einfach, viel einfacher als es vorher gewesen war, denn alle, Männer und Frauen, Kinder und Greise, hatten den selben.
Dann kam das Ungeziefer. Es kroch in Scharen ans Ufer. Dunkles Gewürm, das hin- und herfühlerte, orientierungslos wirkte, aber ein Ziel kannte. Die Männer versuchten anfangs, die Tiere mit Steinen oder Knüppeln zu erschlagen. Sie gaben schnell auf. Der grünliche Schleim, der aus den Körpern quoll, verätzte ihnen Hände und Füße.
Immer mehr Tausendfüßler schlängelten sich aus den Gelegen im fauligen Schlamm.
Die Menschen wichen erschrocken zurück. Mütter versuchten, ihre Kinder zu beruhigen. Dann weinten sie. Als schließlich kein Fleck mehr sicher zu sein schien, versuchten alle, die Felsen zu erklimmen. Nur die Kräftigsten von ihnen waren überhaupt in der Lage, an den lehmigen Wänden ein Stück emporzuklettern. Die Alten und Kranken gaben zuerst auf. Sie ließen sich einfach fallen. Viele Frauen waren zu erschöpft und schwach, um die Anstrengung zu bewältigen. Lautlos stürzten sie in die schwarze Tiefe. Die meisten nahmen Kinder mit in den Tod.
Nur einige, wenige Männer waren übriggeblieben, die bluteten und keuchten. Sie zitterten und schrieen nach ihren Müttern. Manche von ihnen verfluchten Gott.
Endlich aber hatten sie es geschafft, sie griffen nach losem Wurzelwerk und krochen aus dem Abgrund. Wer beschreibt das Erstaunen, welches sie spürten, als es dort, über dem Ort, der einst ein See gewesen war, zu schneien begann. Große Flocken, filigrane Blütenblätter, fielen vom Himmel. Die Männer hielten die Augen geschlossen, sie schwiegen und krochen über die Erde, nach links und rechts, orientierungslos, aber mit einem Ziel. Manchmal hielten sie inne, für wenige Minuten. Sie schliefen ein oder verloren die Besinnung. Doch wenn sie wieder erwachten oder zu sich kamen, schleppten sie sich weiter. Der Schnee fiel dichter und schon bald waren die Körper der Männer nicht mehr zu sehen.

17
Feb
2008

welcome

amelie!

14
Feb
2008

...

El amor en los tiempos del colera

preview.

irgendwie hatte ich es geahnt. man kann die marquez-stoffe nicht verfilmen, ohne, dass schmonz dabei rauskommt. (wobei: ich erinnere mich dunkel an "chronik eines angekündigten todes" - die verfilmung war nicht schlecht.)

die handlung wirkt zusammengebastelt, die charaktere sind furchtbar bemüht, aber unglaubwürdig. (ich glaube, die maske hat's auch nicht so gut hinbekommen. man hatte den gesamten film über angst, man würde einen klecks make-up-abkriegen...)

florentino erinnerte mich an einen traurigen russischen clown, seine mutter an brigitte mira. und fermina daza? merkwürdig herb und reizlos. schlecht vorstellbar, dass sich ein mann lebenslang nach ihr verzehrt.

rührend die szene, in der die verwitwete fermina und der greise florentino die körperliche liebe wiederentdecken.

"Da schaute er sie an sah sie nackt bis zur Taille, so, wie er sie sich vorgestellt hatte. Sie hatte faltige Schultern, Hängebrüste und die Rippenpartie war von einer fahlen und kalten Haut wie bei einem Frosch überzogen. Sie bedeckte die Brust mit der eben noch ausgezogenen Bluse und löschte das Licht."

es gab tolle aufnahmen von kolumbianischen (?) flusslandschaften und die stadtszenerie hat mich an havanna erinnert.

der soundtrack ist klasse, aber er reißts bei weitem nicht raus.

habe mir das buch rausgesucht. (aufbau verlag 1990) es riecht nach studentenwohnheim. ich erinnere mich genau, wie ich dafür stundenlang am buchladen angestanden hatte. an das gefühl, etwas ganz wertvolles erbeutet zu haben. :-) an das atemlose hineintauchen in die handlung...

"Die Erinnerung an die Vergangenheit war aber nicht, wie er beharrlich glaubte, eine Lösung für die Zukunft."

PS1: ich hab ein neues auto und ein cooles kennzeichen.
PS2: fahr ich zum ukulele orchestra of gb oder fahr ich nicht hin?

http://www.youtube.com/watch?v=OP7F8P1ZtD0

9
Feb
2008

monokeros

es löst sich aus mir
nebel fahl
ein tier
das es nicht gibt

wenn ich's entdecke
jedes mal
schnaubt's leise
und entflieht

zurück
in meine dämmerung.

(10-11-04)

7
Feb
2008

DIE ROTE ZORA

ferienbespielung. heute kino, "die rote zora".

http://rote-zora.universal-pictures.de/

es is eine weile her, dass ich das buch gelesen habe, aber der film ist meiner meinung nach nur ein ganz müder abklatsch des kinderbuchklassikers von kurt held.

prächtige kulisse (ich bekomme sehnsucht nach meer und sommer), gute schauspieler (ben becker, dominique horowitz, mario adorf) und ein paar nette spezialeffekte.
die charaktere jedoch wirken hölzern und bemüht, die story schleppt sich so dahin.

habe gleich karten mitgebracht für kommenden mittwoch. "die liebe in den zeiten der cholera" konnte nach dem trailer nicht widerstehen, fürchte allerdings, dass der schöne marquez-stoff (ich LIEBE diese bücher!!) ein bisschen vermurkst wurde. vielversprechend klingt der soundtrack. shakira.

http://www.kino.de/showroom.php?c=clips&r=filmtrailer&sr=3&p=1&nr=98252&mnr=30906&mode=content_detail&PHPSESSID=b9b56684ef370d378098efcc5291a03a

6
Feb
2008

Ildefonso Falcones: La Catedral del Mar.

einmal mehr ist mir unklar, wieso es manche bücher in die bestsellerlisten schaffen.

"die kathedrale des meeres" ist ein wälzer, mit dem man sich an regentagen im bett verschanzen kann, gute unterhaltung, aber mehr auch nicht.

ein weiteres drittel-buch. ein drittel spanische geschichte. ein drittel architektonische grundlagen. ein drittel liebe, triebe und verwirrungen.

No me gusta el libro.

(aber mir fällt immerhin ein, dass ich spanischvokabeln lernen muss.)

27
Jan
2008


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