Zufallsbild

IMG_1031

26
Jan
2008

green man



wenn ihr
den tag
glattgestrichen
und zur seite
gelegt habt
hole ich ihn zurück
entfalte ihn
ein letztes mal
trage ihn
behutsam
vor die tore der stadt

dorthin,
wo ich sein singen
in den sturm webe

dorthin
wo ich sein licht
in das winterfeld säe

dorthin
wo ich die erde
mit seinen gerüchen tränke


wenn es dämmert
gehe ich zurück
und versteinere
im laub der jahrhunderte

für s.

(nur, damit man es später nachprüfen kann)

ich bleibe nicht länger bei der vorhersage "mädchen".
ich sage: "JUNGE".

24
Jan
2008

TSOTSI

Habe heute mit den Großen "Tsotsi" gesehen. Ursprünglich hatte ich über GOODBYE BAFANA nachgedacht, aber TSOTSI war die bessere Wahl. Neunzig Minuten gespannte Stille. Man hätte ein Stecknadel zu Boden fallen hören können.

Tsotsi, ein junger Gangster, der im Dreck eines Ghettos lebt und dem ein Menschenleben, auch sein eigenes, nichts wert ist, schießt eine Frau nieder und flüchtet mit dem geklauten BMW. Als er ein Baby auf dem Rücksitz bemerkt, baut er einen Unfall. Er hat keinen Schimmer, was er mit dem schreienden Kind anfangen soll, aber das Baby rührt ihn, er nimmt es an sich, packt es in eine Einkaufstüte, windelt es mit Zeitungspapier und sorgt, teilweise mit Gewalt, dafür, dass es Nahrung bekommt. Mit dem Kind kommen seine Erinnerungen zurück. Es ist, als ob er sich während der Zeit mit dem Säugling wieder darauf besinnen kann, dass er ein MENSCH ist - kein Tier. Ein Mensch, der mit anderen Menschen lebt und dem es viel besser geht, wenn er für andere Mensch sorgen und sie mit Anstand behandeln kann.

Es gibt viele kleine, tolle Momente im Film. Schatten. Licht. Staub. Das Lächeln der jungen Witwe, die er zwingt, das Baby zu stillen. Ihre warmherzige Art, mit dem Baby umzugehen. Die Mobiles, die sie bastelt.
Die Röhren, in denen Tsotsi als Junge Zuflucht suchte und in denen Kinder wohl immer Zuflucht suchen werden. Die Tatsache, dass es Kinder sind, die ihn "weich" werden lassen.
Tsotsis Geste zum Schluss des Filmes. Er hebt die Arme, als er beim Versuch, das Baby zurückzugeben, gestellt wird. Er gesteht. Versteht. Besteht. Übersteht.

Die wohl eher unbekannten Schauspieler agieren großartig. Den Soundtrack vergisst man nicht.

http://de.youtube.com/watch?v=vYtkeJ_pEDw
http://de.youtube.com/watch?v=DYnqbNl7VMM

23
Jan
2008

PS: Ich liebe dich!

Man sitzt im Kino und denkt unentwegt darüber nach, wie man den Abend noch hätte verbringen können... Reine Zeitverplemperung, dieser Streifen. Ich werde nie begreifen, WAS GENAU die Kritiker in diesem Zusammenhang gut finden.

Ein durch und durch schwachsinniger Film. Eine komplett überfrachtete Handlung. Gags, die keine sind. Schlechte (und im Falle Hilary Swank: magersüchtige) Darsteller. Frau Swank mag ja dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, aber eine Schauspielerin ist sie in meinen Augen nicht. *schüttel*

Kleine Lichtblicke: der Soundtrack, sehr irisch angehaucht, und die Irland-Bilder. Die Mutter-Tochter-Problematik, die wenigstens ein bisschen Tiefe hat. Rein opisch geben die männlichen Hauptdarstellerauch ein gutes Bild ab.

Aber ansonsten ... ???!!!!

18
Jan
2008

eisfrau

ihr freund, der wind,
schenkt daunen, leicht,
er säumt im schilf
ein kleid aus gänsehaut.

kämmt sterne in ihr haar.

und uhurufe,
die er ihr entgegentreibt,
trägt sie
mit kühlen händen
ins versteck.

17
Jan
2008

lektüre

mark haddon: der wunde punkt (a spot of bother)

ein familienvater sieht seine allerschlimmsten befürchtungen bestätigt und diagnostiziert bei sich selbst krebs im fortgeschrittenen stadium. entfernt den vermeintlichen tumor im do-it-yourself-verfahren. daraufhin kippt sein haus, stellvertretend für die ihn umgebende welt (um). die gattin hat sex mit einem ehemaligen kollegen. der sohn setzt zum outing an. die tochter sagt eine aufwändig geplante hochzeit ab. chaos rändert eine depression.

im angesicht eines (nicht wirklich) drohenden todes gewinnen die dinge eine andere wertigkeit. was zählt im leben wirklich? liebe. familie. warmherzigkeit. ein alter hut eigentlich. keine neue erkenntnis. kurzweilig und humorvoll vermittelt.

How can I go on, from day to day
Who can make me strong in every way
Where can I be safe, where can I belong
In this great big world of sadness
How can I forget those beautiful dreams that we shared
They're lost and they're nowhere to be found
How can I go on? (Freddie Mercury)



http://de.youtube.com/watch?v=fJ0-ggmKRLU

7
Jan
2008

...



ihre stimme ist rauh reif,
mit leisblauem ton findet sie die graureiher,
lebmale auf schneewiesen,
träumt von schillernden libellenzungen und knabenleibern.

ihre stimme ist rauh reif,
mit leisblauem singsang fängt sie den marder,
feuerfell auf kühlen dächern,
er weiß von flederaugen und baummäusen.

ihre stimme ist rauh reif,
mit leisblauem lied lockt sie den bach,
springquell in eisigen auen,
flüstert von flussquappen und fischkrebslein.

ihre stimme ist rauh reif,
mit leisblauen worten findet sie zu sich zurück.

spürt sich im winter.

22
Dez
2007

Weihnachten



Der Rotwein war teuer gewesen. Jetzt standen nur noch die leeren Gläser auf dem Tisch. Einige von ihnen funkelten mitleidig.
Andere trugen Spuren vollmundiger Versprechen. Rote Halbmonde.
Auf dem Weg zur Spülmaschine verwischte sie die Worte.
Im Radio sangen Knabenchöre.
Die Erinnerungen an Umarmungen zum Abschied hatten sich flink im Mauerwerk versteckt.
Wenn man versuchte, sie zu fangen, zeigten sie ihre widerlichen weißen Bäuche wie Silberfische. Weiße Westen. Übelkeit stieg in ihr auf.
Sie versuchte, sich auf die Unordnung im Wohnzimmer zu konzentrieren.
Goldene Schleifen lagen umher. Geschenkbänder. Zerknüllte Folie. Hölzerne Weihnachtsmänner. Bedächtig strich sie Wünsche aus zerrissenem Geschenkpapier. Erfüllte wie unerfüllte.
Sie fand einen Strohstern und betrachtete ihn auf ihrer Hand. Dann schloss sie ihre Finger um ihn, so, dass es schmerzte.
Das Haus war hell erleuchtet. Sie lief durch die Diele und ging vor die Wohnungstür.
Dunkelheit umfing sie dort. Stille. Der Nachthimmel knisterte wie Taft. Es roch nach Stall.
Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte sie nicht nur mit dem Mund: Weihnachten roch nach Stall. Nicht nach Zimt, Gänsebraten oder Parfüm.
Sie öffnete ihre Faust und warf den kleinen Stern zusammen mit einem großen Wunsch in die Nacht.

9
Dez
2007

rest-less

Aus dem Novembernachthimmel
brech’ ich pentelischen Stein,

leg’ meine Hände auf Stillen
die blauer kühler Mond hellt.

Ich bin, wie im heißen Athener Sommer: allein -
doch ein Flüstern fällt raschelnd aus Wolkensternen.

Und der Hof: ein Rund aus leuchtenden Tönen und Stimmengewirr.



Rotsilberstrauch ist Piräus
und ein Laub treibt hinein

ins tote Meer aus welkem Gras.
Am Grund decken Eismuscheln irdene Blumen.

Ich bin, wie im heißen Athener Sommer: allein –
doch ein Flüstern fällt rascheln aus Wolkensternen.

Und die Gischt: ein erster Schnee, den der Wind treibt.

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren