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2
Feb
2014

reineke

im licht der morgendämmerung
sehe ich ihn grau wie den alltag aus der nacht kommen
den kopf gesenkt
sein fell widerwillig hinter sich herschleifend
jeder schritt wankt in eine weise erwartung
scheint mühe und überwindung

irgendwann
fällt er vom rand

er ahnt nicht
dass ich ihn beobachte
mein fell widerwillig hinter mir herschleife
meine schritte kosten kraft
mühe und überwindung

irgendwann
fall ich vom rand

da trennt uns der tag

erst der abend kann ihn verwandeln
erhobenen schweifes nimmt er den pfad zurück in sein leben
das haupt witternd geneigt
stolz sein schritt und rotbraun wie im märchen
als könne er alles erreichen

er ahnt, dass ich ihn beobachte
hält inne
und birgt seinen kopf
in einer anmutigen bewegung

geh davon, sagt er, lass mich stolz sein und rotbraun wie im märchen
und alles erreichen

meine schritte kosten kraft
mühe und überwindung

irgendwann
fall ich vom rand

aber im licht der morgendämmerung
seh ich ihn grau wie den alltag aus der nacht kommen
den kopf gesenkt

26
Dez
2013

richtung

ich sammle vergilbte ulmensonnen
von deinen landkarten,
fege sie wie brotkrumen in meine hand.

(zur sicherheit lieber noch einmal - bis auch die gebirge sich glatt anfühlen.)

jedes gelb eine versicherung:
es leuchtet noch immer im langsamen fallen
und tanzt, unberechenbar, einen rumbatakt zur seite.

(wie-ge-seit-wie-ge-seit-wie-…)

gestern schmeckt deine zunge
nach mand und tung,
unseren geheimen worten und zeiten.

(wie-ge-seit-wie-ge-seit-wie…)

gestern riecht deine haut nach den wassern
und im muster deiner muttermale finde ich mich zurecht
wie in den vergangenen sommern.

(wie-ge-seit-wie-ge-seit-wiege-seit...)

ein kompass ist eher hinderlich beim tanz,
hast du einmal gesagt.

ich folge den sonnen auf deinen karten.

brotkrumen in meiner hand.

bis die gebirge sich glatt anfühlen.

7
Okt
2013

es sind zwei von ihnen...

die im turmlicht
um den kirchabend kreisen
ein letztes sonnenwarm liegt noch in der luft
ein blick auf den fluss
doch die wolken riechen schon nach reif
die jungen sind längst flügge
haben den hort verlassen
unterwegs sind sie an andere orte
ihre fotos hängen an wänden einer trügerischen heimat


es sind zwei von ihnen
die im turmlicht
um den kirchabend kreisen
tief unter ihnen
menschenjahre
kindergärten schulen und ausbildungsfirmen
erzieher lehrer und schimpfende poliere
freunde und bierkästen
kneipenbesitzer die trinkgeld empfangen
gepflügte felder kahle bäume
und ein frisch aufgeschüttetes grab

3
Jul
2013

vor der sonnenwende

holle summt
in den blättern der kastanie
eine melodie

ihren klang
trag ich
auf meinen schuhen
davon
er lässt sich nicht abschütteln
vorm haus
fliegen raben
aus einem nebeltriptychon
in den abend
und über unseren köpfen
schlägt ein pferd
mit den flügeln

als hätten wir besuch denk ich

als der regen
zu blühen
beginnt

22
Mai
2013

...

sarah kirsch ist gestorben.

http://www.youtube.com/watch?v=mvpuonzq3tY

21
Mai
2013

wetterfühlig

mein himmel - zerknülltes recyclingpapier
rauh eingerissen ausgefranst an den ecken
und wellig von verschüttetem wein

mit feuerfenchel will einer brand setzen
wieder flackern die flammen bevor sie verlöschen

wind rauscht durch die bäume
wirft äste auf asphalt und autodächer
wie funken fliegen blütenblätter umher

auf dem berg die windräder: riesenscheren
mit leisem surren schneiden sie
dreiecke aus diesem abend

mein himmel - zerknülltes recyclingpapier

was daraus wird
frag ich mich

26
Feb
2013

Von Ende und Anfang

wir queren den himmel.
rauchwolken ziehen über den fluss
und vertreiben die straßenköter.
für den einen moment
bietet der affengott masken feil am weg.
von uns bekommt er keine keine einzige rupie,
denn hier trägt jeder ein fremdes gesicht.
an diesem ort sind hände mächtig.
sie greifen ins schwarzweiß und teilen sich über
den ufern, an denen die kahlköpfigen sitzen
für dreizehn tage.
du blickst durch die finger:
sechs scharten, dein eigenes gefängnis.
es tötet das licht.
ein kehlblau streicht staubig die füße und kratzt.
auf deinen lippen kein wort.
erinnerung – ein tag unter dem meer.
wiesenblüten dorren
und zahnlose bettler sammeln löwenmünzen,
mahlen die hoffnung zu lichtlosem mehl.
an diesem ort entzündet die fackel den geöffneten mund.
hier endet alles und beginnt,
wenn ein wind aus den bergen die farben findet, befreit und neu mischt.

24
Feb
2013


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