Arabian nights - prelude
Das große Kind ist sich über das Reisziel nicht im Klaren. Der Himmel weiß, was sie sich denkt. Jedenfalls betrachtet sie Nagellackentferner, Parfümchen und Cremchen als unerlässliche Reiseutensilien. Ich habe ihr damit gedroht, sie an den ersten Beduinenopa zu verschachern, der vorbeikommt. Sie zeigt sich unbeeindruckt. Bislang.
Die mit viel Liebe von den Kindern gebackenen Butterplätzchen werden mit Gewalt in den Koffer gepresst. Ich fürchte, sie erreichen die Wüste in pulverisierter Form.
Ansonsten graut mir. Von mir aus könnte schon übermorgen sein.
No belly-landing
Searching for Dilmun
Two seas, my home
The meaning of my poetry,
My horizon, my third sea
Could I but watch the archcreator,
the poet musing in space
Whilst all my mortals play his tunes
in diverse ways
Ibrahim al Arrayedh
Wir sind jetzt fuenf Tage im Land. Zeit fuer einen kurzen Zwischenbericht.
Die Reise hierher verlief ohne Probleme, trotz kleinerer Verspaetungen haben wir alle Anschluesse geschafft und in FF nach einem mittleren Panikanfall muetterlicherseits auch noch den passenden Flugsteig gefunden. Die Lufthansa hatte gute Filme im Angebot, sodass sich die Flugzeit recht kurzweilig gestaltete.
(Insel der Abenteuer / Verliebt in die Braut / Konzertmitschnitt Genesis in Rome / Rhianna in concert)
Der neben mir sitzende Araber zeigte sich zunaechst anstrengend interessiert und gespraechig, da er aber das alkoholische Getraenkeangebot intensivst nutzte, wurde er zunehmend einsilbig und schliesslich schnarchstill.
Gepaeck und Visum hatten wir hier in Manama schnell, den ersten Abend verbrachten wir im Souq von Muharraq. Die Kinder verkrafteten die vielen neuen Eindruecke, die verschiedenartigen Gerueche und Geraeusche ueberraschend gut. Beide sind vor allem fasziniert von den herumstreunenden Katzen, die eine Kreuzung aus Fledermaeusen und Minitigern zu sein scheinen. Ich muss aufpassen, dass auf der Rueckreise kein Fledermaustiger ins Gepaeck geraet.
Wir beobachten einen Baecker bei seiner Taetigkeit (alte Lehmofen!) und stopfen uns mit noch warmem Fladenbrot voll. Lecker!!!
Am Mittwochfrueh gibt es fuer die Kinder nach einem opulenten Fruehstueck kein Halten, gleich nach dem Essen stuerzen sie an den hoteleigenen Strand. Vinc scheint in einem frueheren Leben Meeresbewohner gewesen zu sein. Stundenlang gruendelt er, beobachtet Fische und sammelt Muscheln. Ich muss ihn beinahe mit Gewalt in den Schatten bugsieren. (Nur nebenbei: es ist schon recht heiss. Ich schaetze, dreissig Grad haben wir locker.) Jede freie Minute verbringt er am Meer oder am Pool. Wasserratte.
Mittags beginnt MMKP, Mutters Martialisches Kulturprogramm. Wir watscheln schwitzend und schnaufend zum Nationalmuseum, in erster Linie, um etwas ueber Dilmun zu erfahren. Die kleine Insel Bahrein taucht bereits im Gilgameschepos auf. Hier, so die Maehr, lag das sagenhafte Dilmun, ein Paradies, dessen Bewohner mit unsterblicher Jugend gesegnet waren. (!)
5000 Jahre alte Graeber der Dilmunkultur beweisen, dass das Land zu den aeltesten Siedlungen der Halbinsel gehoert. Am Donnerstag fahren wir zum Saar Excavation Site und sehen uns die beeindruckenden Erdwallgraeber aus der Naehe an. Die Ausgrabungen liegen uebrigens alle immer irgendwo in der Pampa herum, werden in der Regel von einer Person bewacht, die stets schlaeft, wenn wir ankommen, kosten keinen Eintritt und bislang waren wir jeweils die einzigen Besucher. Paradiesisch, wirklich.
Auch den koeniglichen Erdwallgraebern von Aali haben wir mittlerweile einen Besuch abgestattet. Urspruenglich sollen die bis zu 40 m hoch gewesen sein, heute sind es noch bis zu 20m. Das Huegelfeld erinnert an eine Mondlandschaft und wird laut Reisefuehrer als groesster praehistorischer Friedhof der Welt betrachtet. Ein Einheimischer spricht uns dort an und fuehrt uns in ein geoeffnetes Grab. Eine Kletterpartie mit Risiko. Leider ist die Grabkammer voller Muell. Man hat ueberhaupt den Eindruck, dass die die Bahreinis nicht so recht wissen, welches geschichtliche Kleinod sie da ihr Eigen nennen.
Im Nationalmuseum koennen die Kinder auch noch allerhand ueber das Alltagsleben in Bahrein erfahren, die Kleidung zum Beispiel, Perlentauchen oder auch bestimmte Festivitaeten wie Geburten, Hochzeiten etc.
Zumindest von der Theorie her sind wir also bereits auf dem Laufenden, als wir beim Schneider arabisch eingekleidet werden. Das kleine Kind bekommt eine Dischdascha und eine Gutra mit Kaeppchen (Gahfiya) und eine Kordel (Agal). Uns Maedels huellt der Scheich in Abayahs. Es gibt Dutzende solcher Schneidereien und Geschaefte und viele verschiedene Abayiahs. Sie sind immer schwarz und teilweise wunderbar bestickt. Ueberhaupt finde ich, dass die Frauen, auch wenn sie verhuellt sind, sehr elegant und manchmal auch aeusserst erotisch aussehen. Man sieht hier von Frauen, die sich westlich kleiden bis hin zu komplett verschleierten eigentlich alles. Und obwohl wir uns kleidungsmaessig schon zurueckhalten, fallen wir ziemlich auf. Insbesondere in den Souqs und in Stadtteilen, wo Bahreinis leben. In den luxurioesen Shoppingmalls sind schon vermehrt Bleichgesichter unterwegs. Hauptsaechlich Amerikaner. Und die meisten von denen scheren sich einen Dreck um den dress code eines islamischen Landes.
(Uebrigens baden die Frauen auch in Abayahs, aber das sind extra dafuer gefertigte Teile aus Lycra.)
Beim Kleiderkauf ist zufaellig ein junges Maedchen im Laden anwesend, auch eine Kundin. Zuerst ist sie recht reserviert, aber dann beraet sie uns sehr gekonnt. Ausserdem wird sie den Schneidern gegenueber sehr energisch, als es darum geht, fuer uns einen guten Preis auszuhandeln. Ich muss innerlich grinsen, denn sie entspricht, trotz Verschleierung, ueberhaupt nicht dem Bild vom geknechteten Weibchen. Sehr gebildet scheint sie zu sein, zumindest spricht sie hervorragend Englisch. Und auch sie hat eingekauft und unser Scheich ist beeindruckt, als sie sich vom Schneiderpersonal gleich noch einen Koffer beschaffen laesst, um ihre zehn Abayiahs abtransportieren zu lassen. War sicher nicht ganz billig, der Einkauf.
Ich will auch auf keinen Fall vergessen zu erwaehnen, dass die Maenner in ihrer Landestracht eine unheimliche Wuerde ausstrahlen.
Mir ist im Uebrigen voellig neu, dass hier jahrhundertelang nach Perlen getaucht wurde. Leider hat sich das im Zuge der Landgewinnung immer mehr erledigt. Neue Vokabel = BLISTER PEARL.
Am Freitag war Oeltag. Oelmuseum und OILWELL number one. Der wurde 1931 in Betrieb genommen, ein Jahr spaeter fand man dort wirklich Oel. Und Amerikaner bzw Englaender waren immer mit von der Partie, wenn es ans Erschliessen oder Foerdern ging. Zumindest sagen das die alten Schwarzweissfotografien.
In der Wueste haben wir den TREE OF LIFE gesehen, eine wunderschoene Akazie, die dort einfach herumwaechst, keiner weiss, woher sie das Wasser nimmt. Wir waren abends dort, die Wueste war in goldenes Licht getaucht und viele Familie tummelten sich im Schatten des Baumes.
Am Samstag besichtigten wir die Grosse Moschee von Manama, hier ist sogar Frauen der Besuch gestattet, vorausgesetzt, sie verhuellen sich vorher.
Abends sind wir zum Fort Arrad gefahren, wo zufaelligerweise eine Zeremonie fuers Fernsehen gefilmt wurde. Saebeltanz, sagte unser Scheich. Von Weitem sah das alles sehr militaerisch aus, so dass wir vorsorglich schon auf dem Rueckzug waren, dann aber wurden wir sehr freundlich herzugebeten, mit Tee versorgt und zum Fotografieren genoetigt. Viele der tanzenden Maenner hatten Kinder als Zuschauer dabei und ich glaube, ich habe ein paar schoene Kinderportraets gemacht. Sehr ueberraschend das Ganze.
Den eigentlichen Besuch im Fort haben wir heute nachgeholt und ausserdem toll restaurierte Haeuser besichtigt. Shaik Isa House zum Beispiel. Zum ersten Mal sehen wir einen Windturm von Innen.
Die mit viel Liebe von den Kindern gebackenen Butterplätzchen werden mit Gewalt in den Koffer gepresst. Ich fürchte, sie erreichen die Wüste in pulverisierter Form.
Ansonsten graut mir. Von mir aus könnte schon übermorgen sein.
No belly-landing
Searching for Dilmun
Two seas, my home
The meaning of my poetry,
My horizon, my third sea
Could I but watch the archcreator,
the poet musing in space
Whilst all my mortals play his tunes
in diverse ways
Ibrahim al Arrayedh
Wir sind jetzt fuenf Tage im Land. Zeit fuer einen kurzen Zwischenbericht.
Die Reise hierher verlief ohne Probleme, trotz kleinerer Verspaetungen haben wir alle Anschluesse geschafft und in FF nach einem mittleren Panikanfall muetterlicherseits auch noch den passenden Flugsteig gefunden. Die Lufthansa hatte gute Filme im Angebot, sodass sich die Flugzeit recht kurzweilig gestaltete.
(Insel der Abenteuer / Verliebt in die Braut / Konzertmitschnitt Genesis in Rome / Rhianna in concert)
Der neben mir sitzende Araber zeigte sich zunaechst anstrengend interessiert und gespraechig, da er aber das alkoholische Getraenkeangebot intensivst nutzte, wurde er zunehmend einsilbig und schliesslich schnarchstill.
Gepaeck und Visum hatten wir hier in Manama schnell, den ersten Abend verbrachten wir im Souq von Muharraq. Die Kinder verkrafteten die vielen neuen Eindruecke, die verschiedenartigen Gerueche und Geraeusche ueberraschend gut. Beide sind vor allem fasziniert von den herumstreunenden Katzen, die eine Kreuzung aus Fledermaeusen und Minitigern zu sein scheinen. Ich muss aufpassen, dass auf der Rueckreise kein Fledermaustiger ins Gepaeck geraet.
Wir beobachten einen Baecker bei seiner Taetigkeit (alte Lehmofen!) und stopfen uns mit noch warmem Fladenbrot voll. Lecker!!!
Am Mittwochfrueh gibt es fuer die Kinder nach einem opulenten Fruehstueck kein Halten, gleich nach dem Essen stuerzen sie an den hoteleigenen Strand. Vinc scheint in einem frueheren Leben Meeresbewohner gewesen zu sein. Stundenlang gruendelt er, beobachtet Fische und sammelt Muscheln. Ich muss ihn beinahe mit Gewalt in den Schatten bugsieren. (Nur nebenbei: es ist schon recht heiss. Ich schaetze, dreissig Grad haben wir locker.) Jede freie Minute verbringt er am Meer oder am Pool. Wasserratte.
Mittags beginnt MMKP, Mutters Martialisches Kulturprogramm. Wir watscheln schwitzend und schnaufend zum Nationalmuseum, in erster Linie, um etwas ueber Dilmun zu erfahren. Die kleine Insel Bahrein taucht bereits im Gilgameschepos auf. Hier, so die Maehr, lag das sagenhafte Dilmun, ein Paradies, dessen Bewohner mit unsterblicher Jugend gesegnet waren. (!)
5000 Jahre alte Graeber der Dilmunkultur beweisen, dass das Land zu den aeltesten Siedlungen der Halbinsel gehoert. Am Donnerstag fahren wir zum Saar Excavation Site und sehen uns die beeindruckenden Erdwallgraeber aus der Naehe an. Die Ausgrabungen liegen uebrigens alle immer irgendwo in der Pampa herum, werden in der Regel von einer Person bewacht, die stets schlaeft, wenn wir ankommen, kosten keinen Eintritt und bislang waren wir jeweils die einzigen Besucher. Paradiesisch, wirklich.
Auch den koeniglichen Erdwallgraebern von Aali haben wir mittlerweile einen Besuch abgestattet. Urspruenglich sollen die bis zu 40 m hoch gewesen sein, heute sind es noch bis zu 20m. Das Huegelfeld erinnert an eine Mondlandschaft und wird laut Reisefuehrer als groesster praehistorischer Friedhof der Welt betrachtet. Ein Einheimischer spricht uns dort an und fuehrt uns in ein geoeffnetes Grab. Eine Kletterpartie mit Risiko. Leider ist die Grabkammer voller Muell. Man hat ueberhaupt den Eindruck, dass die die Bahreinis nicht so recht wissen, welches geschichtliche Kleinod sie da ihr Eigen nennen.
Im Nationalmuseum koennen die Kinder auch noch allerhand ueber das Alltagsleben in Bahrein erfahren, die Kleidung zum Beispiel, Perlentauchen oder auch bestimmte Festivitaeten wie Geburten, Hochzeiten etc.
Zumindest von der Theorie her sind wir also bereits auf dem Laufenden, als wir beim Schneider arabisch eingekleidet werden. Das kleine Kind bekommt eine Dischdascha und eine Gutra mit Kaeppchen (Gahfiya) und eine Kordel (Agal). Uns Maedels huellt der Scheich in Abayahs. Es gibt Dutzende solcher Schneidereien und Geschaefte und viele verschiedene Abayiahs. Sie sind immer schwarz und teilweise wunderbar bestickt. Ueberhaupt finde ich, dass die Frauen, auch wenn sie verhuellt sind, sehr elegant und manchmal auch aeusserst erotisch aussehen. Man sieht hier von Frauen, die sich westlich kleiden bis hin zu komplett verschleierten eigentlich alles. Und obwohl wir uns kleidungsmaessig schon zurueckhalten, fallen wir ziemlich auf. Insbesondere in den Souqs und in Stadtteilen, wo Bahreinis leben. In den luxurioesen Shoppingmalls sind schon vermehrt Bleichgesichter unterwegs. Hauptsaechlich Amerikaner. Und die meisten von denen scheren sich einen Dreck um den dress code eines islamischen Landes.
(Uebrigens baden die Frauen auch in Abayahs, aber das sind extra dafuer gefertigte Teile aus Lycra.)
Beim Kleiderkauf ist zufaellig ein junges Maedchen im Laden anwesend, auch eine Kundin. Zuerst ist sie recht reserviert, aber dann beraet sie uns sehr gekonnt. Ausserdem wird sie den Schneidern gegenueber sehr energisch, als es darum geht, fuer uns einen guten Preis auszuhandeln. Ich muss innerlich grinsen, denn sie entspricht, trotz Verschleierung, ueberhaupt nicht dem Bild vom geknechteten Weibchen. Sehr gebildet scheint sie zu sein, zumindest spricht sie hervorragend Englisch. Und auch sie hat eingekauft und unser Scheich ist beeindruckt, als sie sich vom Schneiderpersonal gleich noch einen Koffer beschaffen laesst, um ihre zehn Abayiahs abtransportieren zu lassen. War sicher nicht ganz billig, der Einkauf.
Ich will auch auf keinen Fall vergessen zu erwaehnen, dass die Maenner in ihrer Landestracht eine unheimliche Wuerde ausstrahlen.
Mir ist im Uebrigen voellig neu, dass hier jahrhundertelang nach Perlen getaucht wurde. Leider hat sich das im Zuge der Landgewinnung immer mehr erledigt. Neue Vokabel = BLISTER PEARL.
Am Freitag war Oeltag. Oelmuseum und OILWELL number one. Der wurde 1931 in Betrieb genommen, ein Jahr spaeter fand man dort wirklich Oel. Und Amerikaner bzw Englaender waren immer mit von der Partie, wenn es ans Erschliessen oder Foerdern ging. Zumindest sagen das die alten Schwarzweissfotografien.
In der Wueste haben wir den TREE OF LIFE gesehen, eine wunderschoene Akazie, die dort einfach herumwaechst, keiner weiss, woher sie das Wasser nimmt. Wir waren abends dort, die Wueste war in goldenes Licht getaucht und viele Familie tummelten sich im Schatten des Baumes.
Am Samstag besichtigten wir die Grosse Moschee von Manama, hier ist sogar Frauen der Besuch gestattet, vorausgesetzt, sie verhuellen sich vorher.
Abends sind wir zum Fort Arrad gefahren, wo zufaelligerweise eine Zeremonie fuers Fernsehen gefilmt wurde. Saebeltanz, sagte unser Scheich. Von Weitem sah das alles sehr militaerisch aus, so dass wir vorsorglich schon auf dem Rueckzug waren, dann aber wurden wir sehr freundlich herzugebeten, mit Tee versorgt und zum Fotografieren genoetigt. Viele der tanzenden Maenner hatten Kinder als Zuschauer dabei und ich glaube, ich habe ein paar schoene Kinderportraets gemacht. Sehr ueberraschend das Ganze.
Den eigentlichen Besuch im Fort haben wir heute nachgeholt und ausserdem toll restaurierte Haeuser besichtigt. Shaik Isa House zum Beispiel. Zum ersten Mal sehen wir einen Windturm von Innen.
nisavi - 20. Okt, 10:08













