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22
Apr
2008

Amsterdam






gestern abend ist es spaet geworden im snooker-palace, so dass die aufsteherei heute nicht sooooo leicht fiel.

wieder hatten wir einen hellen, warmen fruehlingstag, about 18 degrees, und so konnten wir vor beginn des offiziellen programmes noch einen koffie in der sonne geniessen.

vorm anne frank-haus standen lange schlangen, aber fuer uns gab es eine reservierung, so dass wir ohne warten hineinkonnten.

es war bedrueckend. beschaemend. und unendlich traurig.

ich erinnere mich, dass mein vater mir einst, vielleicht war ich 12 oder 13, das tagebuch in die hand gedrueckt hat, einfach so. ich habe es gelesen und wir haben nie wieder darueber gesprochen, aber ich weiss, dass es mich damals sehr beeindruckt hat. ich fand mich in vielen gedanken wieder, so, wie sich halt junge menschen in den gedanken gleichaltriger wiederfinden:

"Mit Schreiben werde ich alles los. Mein Kummer verschwindet, mein Mut lebt wieder auf." (Anne Frank, 5. April 1944)

"Du weisst laengst, dass es mein liebster Wunsch ist, einmal Journalistin und spaeter eine beruehmte Schriftstellerin zu werden." (Anne, 11. Mai 1944)

ich begann ebenfalls, tagebuch zu fuehren, verwendete zeitweise die gleiche anrede wie anne.

jetzt, als erwachsene, als mutter, habe ich, wie mir scheint, noch einmal eine voellig andere sicht auf die dinge, die sich zur eben geschilderten erinnerung addiert. ich bin erschuettert und traurig, weil ich die tatsache, dass eltern ihre kinder eben unter bestimmten umstaenden NICHT vor grausamkeiten und tod beschuetzen koennen, als teil der realitaet anerkennen muss. es bricht einem das herz, wenn man im leeren, verdunkelten zimmer von anne steht und sich vorstellt, dass sie dort zwei jahre leben musste (leben?) und dann doch alles umsonst war. dunkelheit und angst. vorm fenster gruent die kastanie. sie tat es auch heute.

sehr beeindruckt haben mich die filmaufnahmen von otto frank. ein vater, der nach dem krieg voellig allein dasteht, mit den erinnerungen und dem wissen, dass weder die frau noch die toechter ueberlebt haben. er sagte, er sei, als er das tagebuch gelesen habe, erstaunt gewesen, wie reif anne doch schon gewesen sei und welch tiefgehende gedanken sie entwickelt habe. (es muss die hoelle gewesen sein fuer ihn.) eltern wuessten nicht, wie es im inneren der kinder aussaehe, auch dann nicht, wenn sie ein gutes verhaeltnis zu ihnen haetten, so wie er es hatte. he might be right.

eine zeitzeugin hat gesprochen, die anne noch einmal in bergen-belsen getroffen hat. ihre mutter und ihre schwester waren zu diesem zeitpunkt schon tot. unvorstellbar, unsagbar, wie allein sie sich gefuehlt haben muss. kein kind auf dieser erde sollte soetwas erdulden muessen. keins.

wie wohl die, die familie frank verraten haben, mit dieser schuld gelebt haben?

eigentlich wollte ich anschliessend gern ins van gogh museum, aber ehrlich gesagt war mir nach dem haus gar nicht mehr nach sonnenblumen und windmuehlen. coert hat zu einer grachtenfahrt eingeladen und die stunde auf dem wasser war eine gute zeit, um ein bisschen den gedanken nachzuhaengen.

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