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3139

29
Mrz
2008

Protokoll einer Dienstfahrt

(oder: Das Wunder von Berlin)

- für drei liebe Menschen -

Protokoll einer Dienstfahrt (oder: Das Wunder von Berlin)

- 27.03. : Es beginnt schon wundersam. Alle sind fast pünktlich am Treffpunkt. Verzweiflung macht sich breit, als feststeht, dass als Transportmittel ausgerechnet ein Nissan-Micra (MICK-RA) zur Verfügung steht. Diversen Delegationsteilnehmern wird der Sinn der Gepäckvorschriften schlagartig klar. (Mitgenommen werden dürfen nur ein Wechselschlüpfer/eine Wechselunterhose und eine Zahnbürste. Ausgewählten Personen ist außerdem das Mitführen einer Zahnpastatube gestattet.)

- Es passt trotzdem alles in den Kofferraum. Irgendwie.

- Die Fahrt verläuft problemlos. In der Ferne sind der Cargolifter und die Vergangenheit zu sehen.

- Ankunft in einer Russenmafiapension im Berliner Hinterhaus. Zille lässt grüßen. Oder Repin? Teile der Delegation beschließen augenblicklich, einen auf Kruste zu machen. Teile der Delegation sind unentschlossen. Andere Repräsentanten widmen sich sofort der Körperpflege.

- Auf dem Weg zum Veranstaltungsort wird die Frage aufgeworfen, warum das Tipi „Tipi am Kanzleramt“ heißt und gar nicht am Kanzleramt liegt. Keiner weiß eine Antwort. Die Delegationsteilnehmer stehen ratlos zwischen Philharmonie und Nationalgalerie und gucken doof aus der Wäsche. Mitleidige Passanten bescheinigen ihnen, dass sie sich im Großstadtdschungel verirrt haben. Schöne Scheiße. Die Zeit drängt. Die auftoupierten Haarschöpfe fallen beim Rennen zusammen. Man entschließt sich schließlich, einen türkischen Taxifahrer zu behelligen. Der zweifelt am Geisteszustand der Truppe, kann dies aber hervorragend verbergen und so tun, als wäre alles gut. Er fährt die Verwirrten für viel Geld ums Caree und lacht sich ins Fäustchen. Die Delegationsleiterin bemerkt sein hämisches Grinsen jedoch in letzter Minute und verhindert die Gabe eines reichliches Trinkgeldes.

- Entspannung. Die Karten liegen an der Kasse bereit. (yeahyeahyeah!!!) Die Delegation lässt sich an einem Tisch nieder und bestellt auserlesene Speisen. Pumpernickelgedöns, Käseschachtel, Oliven und Fisch. Der Wein mundet und das Tipi (am Kanzleramt!) füllt sich so nach und nach.

- WE ARE THE UKULELE ORCHESTRA OF GREAT BRITAIN. Ein Satz wie aus Stein gemeißelt. Very British. Very cool. Unvergleichlich. Die Delegation amüsiert sich wie Bolle. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Händel beschließt zwei Stunden Unterhaltung vom feinsten. Great. Marvelous. Brilliant. Stunning. Tremendous. (Mehr Vokabeln fallen der Protokollantin gerade nicht ein.)

http://www.youtube.com/watch?v=OP7F8P1ZtD0
http://www.youtube.com/watch?v=V3gp7B8WC4Q


http://www.ukuleleorchestra.com/main/home.aspx


- Ein bis dahin als introvertiert geltendes Mitglied der Delegation, angeblich des Englischen NICHT MÄCHTIG (!!!), mischt sich nach der Veranstaltung unter die Künstler, parliert in fließendem Englisch und ergattert Autogramme. (Stunden später erinnert sich die Person an keinen der gesprochenen Sätze mehr.)

- Die Delegation schreitet andächtig durchs Brandenburger Tor. Der Reichstag ist leider schon geschlossen.

- Die Delegation entert eine zwielichtige Bar, in der geraucht wird, die Karten kleben und der Caipi zu 90% aus Eiswürfeln besteht. Man versucht sich gemeinsam an die Telefonnummer der Polizei zu erinnern.

- Zurück in der Pension. Teile der Delegation fürchten kidnapping, Teile der Delegation hoffen auf kidnapping und der Rest schläft.

- Was die seltsamen Geräusche am Morgen bedeuten („ierhkskjfow – mmmmmh – deoosnchfkfor – mmmmmmmh – ersbcurjfkf“) weiß keiner. Oder doch?

- Kaffee bei Balzac.

- Auf der Fahrt zum POWERSHOPPING vergisst ein Mitglied der Delegation (schon wieder das bis dahin introvertierte), den Fahrausweis zu entwerten. Das demente zerstreute Mitglied der Delegation zittert drei Stationen lang, dass eine Kontrolle kommt. Schließlich entschließen sich die anderen Delegationsmitglieder zur Solidarität und verlassen die U-Bahn mit der Zittrigen. POWERSHOPPING verzögert sich, weil danach 10 min lang keine Bahn kommt. Frieren auf einsamen Bahnsteigen.

- Schließlich erfinden Repräsentanten angeblich anstehende Familienfeste, um sich komplett neu einzukleiden. Andere Mitglieder der Delegation handeln erhebliche Preisnachlässe aus. Die Minderheit ist brav und kauft wenig/nichts. Oder sie gibt sich intellektuell und besucht Karl Valentin.

- Der kaufsüchtige Teil der Delegation entgeht der Ausweisung aus der Hauptstadt um Haaresbreite, weil er im Bodyshop an einem Regal hängen bleibt und die Innendekoration teilweise zerstört.

- Senefelder Platz. Cafe Berger. Leckeres Essen, guter Kaffee. Schöne Lampen. Nette Jungs. :-) Letzter Kaufrausch in einem Buchladen. Der weiße Neger Wumbaba am Bande.

- Heimfahrt. Die Schnapsnase singt wundervoll. Die Delegation betet gemeinschaftlich dafür, dass sie sich nicht zu Tode kokst und noch viele solcher geiler CDs aufnimmt.

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